Individualbesteuerung: Das Ende der «Heiratsstrafe» – und neue Fragen für FamilieN
- kontakt9033
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Am 8. März 2026 stimmt die Schweiz über die Einführung der Individualbesteuerung ab. Was auf den ersten Blick wie die Abschaffung einer lang kritisierten Ungleichbehandlung erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als weitreichende Systemänderung – mit Gewinnern und Verlierern. Wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt, wäre das «Ende der ‹Heiratsstrafe›» zugleich «der Anfang neuer Probleme» (NZZ, 11.02.2026).
Heute werden Ehepaare gemeinsam besteuert. Das führt insbesondere bei Doppelverdienern mit ähnlich hohen Einkommen zu einer höheren Steuerbelastung als bei unverheirateten Paaren. Mit der Individualbesteuerung würde der Zivilstand steuerlich keine Rolle mehr spielen. Jede Person würde eine eigene Steuererklärung einreichen. Für viele Paare mit ähnlicher Einkommensverteilung bedeutet das eine spürbare Entlastung.
«Es ist ein klassisches Dilemma: Man kann das Steuersystem so konstruieren, dass der Zivilstand keine Rolle spielt, oder so, dass die Aufteilung des Einkommens keine Rolle spielt – aber beides zusammen ist nicht möglich.»
Laut NZZ wären «Ehepaare mit ähnlich hohen Löhnen oder Renten […] die grossen Gewinner». Spitzenverdiener könnten bis zu 10'000 Franken Bundessteuern sparen. Doch es entstehen neue Ungleichheiten: Paare mit stark ungleicher Einkommensverteilung müssen mit Mehrbelastungen rechnen.
Ein Beispiel: Ein kinderloses Ehepaar mit einem Gesamteinkommen von 250'000 Franken würde als Doppelverdiener (je 125'000 Franken) künftig rund 9'000 Franken Bundessteuern bezahlen. Ein Alleinverdienerpaar mit demselben Gesamteinkommen hingegen rund 19'000 Franken (NZZ, 11.02.2026).
Bei Familien mit zwei Kindern und 180'000 Franken Gesamteinkommen kann die Steuerbelastung bei einer Aufteilung von 70:30 mehr als doppelt so hoch ausfallen wie bei 50:50 (3400 statt 1500 Franken).
Gemäss Berechnungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung würde etwa die Hälfte der Haushalte entlastet. Rund 14 Prozent müssten mehr bezahlen.Die Individualbesteuerung zeigt: Die Einkommensstruktur innerhalb einer Familie wird steuerlich immer bedeutender. Karriereentscheide, Pensenmodelle, Vorsorgeeinzahlungen oder Einkäufe in die Pensionskasse sollten ganzheitlich betrachtet werden.
«Das gilt für die Bundessteuer. Später müssten auch die Kantone ihre Steuergesetze anpassen, falls die Vorlage eine Mehrheit findet. Dann geht der Verteilkampf 26-fach von vorne los.»
Quelle: Fabian Schäfer, «Das Ende der ‹Heiratsstrafe› wäre der Anfang neuer Probleme», Neue Zürcher Zeitung, 11. Februar 2026.

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